Austria 2020

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Schweiz: Informationen zur Berufsbildung im Gesundheitsbereich

Auf dieser Seite finden Sie:

  • Fragen und Antworten zur Berufsbildung im Gesundheitsbereich
    ("Was Sie über die Berufsbildung in der Schweiz wissen müssen")
  • Ein Gespräch mit Urs Sieber, Geschäftsführer von OdASanté
  • Pressebilder von Urs Sieber
  • Presseartikel (Auswahl)
  • Präsentation: "Eine berufliche Grundbildung im Bereich der Pflege"

(Herunterscrollen, um zu den Themen zu gelangen.)


Was Sie über die Berufsbildung in der Schweiz wissen müssen

Die Berufsbildung ist in der Schweiz verbundpartnerschaftlich geregelt. Was heisst das?

Die Berufsbildung wird als eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt verstanden. Der Bund (SBFI, EHB) ist für die strategische Steuerung und Entwicklung der Berufsbildung zuständig, während die Kantone die Berusbildung vollziehen und beaufsichtigen (Sie erteilen die Bildungsbewilligungen für die Unternehmen, führen Berufsfachschulen, genehmigen Lehrverträge und stellen Angebote der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung bereit). Die Organisationen der Arbeitswelt - dazu gehört auch OdASanté - definieren die Bildungsinhalte der beruflichen Grundbildung, sind für die überbetrieblichen Kurse zuständig, stellen Angebote der höheren Berufsbildung bereit und beteiligen sich an der Weiterentwicklung der Berufsbildung. Organisationen der Arbeitswelt stehen in engem Kontakt mit den Betrieben. Es sind im Wesentlichen die Betriebe, die über die Organisationen der Arbeitswelt mitteilen, was der Markt/die Arbeitswelt effektiv braucht. Damit ist gewährleistet, dass die Ausbildung dem Bedarf der Arbeitswelt entsprechend erfolgt. Die Berufsprofile gehen mit der Realität des Arbeitsalltags einher.

> Definition "Verbundpartnerschaft" gemäss SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation)

Was ist eine Organisation der Arbeitswelt? Wer ist OdASanté?

(Beachten Sie dazu auch die vorausgehende Antwort.) Organisationen der Arbeitswelt können Sozialpartner, Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und andere Anbieter der Berufsbildung sein. OdASanté, die Nationale Dach-Organisation der Arbeitswelt Gesundheit, ist der gesamtschweizerische Branchenverband für die Bildung im Gesundheitswesen und Ansprechpartner in der Verbundpartnerschaft, für Bildungsanbieter, Behörden und Politik für Fragen der Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Gesundheitsberufe.

> Weitere Informationen zu OdASanté: www.odasante.ch

Was versteht man in der Schweiz unter beruflicher Grundbildung?

Eine berufliche Grundbildung vermittelt die zur Ausübung eines Berufes notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse. Sie erfolgt in der Regel nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit von neun Schuljahren in einer zweijährigen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest EBA oder in einer drei- oder vierjährigen Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ. Die Angebote der Grundbildung sind in der schweizerischen Bildungssystematik auf der Sekundarstufe II positioniert.

> Im Gesundheitsbereich kennen wir folgende: www.odasante.ch/bildungssystematik#anchor-c1395

In den Zuständigkeitsbereich von OdASanté fallen auf Sekundarstufe II folgende Berufe:

Der Ursprung des heutigen Bildungssystems im Gesundheitsbereich?

Das aktuelle Bundesgesetz über die Berufsbildung geht auf das Jahr 2004 zurück. Es regelt die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung für sämtliche Berufsbereiche ausserhalb der Hochschulen. Diesem Gesetz unterliegen auch die Gesundheitsberufe. Bildungserlasse und Bildungsverordnungen wurden in Anhlehnung an das Bundesgesetz über die Berufsbildung gestaltet.

> Bundesgesetz über die Berufsbildung

Was ist der Beruf des Fachmanns / der Fachfrau Gesundheit?

Beim Beruf des Fachmanns / der Fachfrau Gesundheit (Sekundarstufe II), gemeinhin auch FaGe genannt, handelt es sich um eine unserer wichtigsten beruflichen Grundbildungen überhaupt. Eine Erfolgsgeschichte. Der Beruf wurde in den Nullerjahren eingeführt und erfreut sich von Jahr zu Jahr immer grösserer Beliebtheit. Heute können wir mit über 4500 neuen FaGe pro Jahr rechnen, die auf den Arbeitsmarkt kommen. Sie sind eine wichtige Ressource im Bereich der Pflege und kommen in sämtlichen Versorgungsbereichen zum Einsatz.

> Mehr zum Beruf: www.gesundheitsberufe.ch/berufe/fachmann-frau-gesundheit

Fachmänner und Fachfrauen Gesundheit beginnen unter Umständen ihre Ausbildung bereits mit 15. Wie geht das?

Der Schutz der Jugendlichen ist gesetzlich verankert und klar definiert. An diese Grundlagen sind sämtliche Akteure gebunden. Und daran halten sich auch alle. Arbeitgeber gewährleisten, dass Jugendliche im Rahmen ihrer Ausbildung von befähigten, erwachsenen Personen ausreichend und angemessen informiert und angeleitet werden, insbesondere in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Die Details sind im Anhang 2 der Bildungsverordnung Fachmann / Fachfrau Gesundheit EFZ geregelt.

> Anhang 2 - Begleitende Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes

> Über das Thema fand auch eine öffentliche Debatte statt. Mehr dazu im Beitrag "Stress im Spital", erschienen in der Ausgabe 5/2019 der Fachzeitschrift Panorama.

Wie geht es weiter nach Abschluss der Lehre?

Wer sein Fähigkeitszeugnis (Sekundarstufe II) erlangt, kann den gelernten Beruf umgehend ausüben. Er oder sie kann aber auch auf der Karriereleiter nach oben klettern, etwa mit einer Ausbildung auf der Tertiärstufe. Bei entsprechender Eignung und mit der erforderlichen Praxiserfahrung ist beispielsweise eine eidgenössische Prüfung im eigenen Fachgebiet möglich. Es sind auch Bildungswege an einer Höheren Fachschule, Fachhochschule oder gar Universität möglich. Auf den Gesundheitsbereich bezogen, bedeutet dies: Wer die Lehre zum Fachmann oder zur Fachfrau Gesundheit abschliesst, kann zum Beispiel den erlernten Beruf gleich im Anschluss an die Lehre uneingeschränkt ausüben. Sie oder er kann aber auch auf Stufe Tertiär B die verkürzte Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau oder zum diplomierten Pflegefachmann an einer Höheren Fachschule antreten (zwei statt drei Jahre).

Wichtig: Die Ausbildung auf Stufe Tertiär B ist keine Wiederholung der Lehre. Es gilt das Prinzip: Eine Kompetenz wird nur einmal erworben. Das heisst: Die Ausbildungsstufen sind in Bezug auf die Kompetenzen aufeinander abgestimmt.

(Übrigens: Wer sich einen Überblick über die Karrierewege im Gesundheitsbereich verschaffen will, findet auf odasante.ch ein grafisch ansprechendes Hilfsmittel. Nach dem Prinzip einer Landkarte bildet die Bildungssystematik Gesundheit die vielfältigen beruflichen Aufstiegs- und Quereinstiegsmöglichkeiten ab: www.odasante.ch/bildungssystematik)

Gibt es spezielle Angebote für den Langzeitpflegebereich?

Ja. In diesen Kontext passt beispielsweise die eidgenössische Berufsprüfung zum Fachmann / zur Fachfrau Langzeitpflege und -betreuung. Diese ist vom Niveau her auf Stufe Tertiär B angesiedelt. Ausserdem wurden in den vergangenen Jahren weitere eidgenöissische Prüfungen entwickelt und eingeführt (Berufsprüfungen BP und Höhere Fachprüfungen HFP).

> Eine Liste mit den Prüfungen gibt es hier.
> Beitrag zum Thema publiziert in der Fachzeitschrift OTX-World (01.05.2019).

OdASanté ist ausserdem an der Nationalen Imagekampagne zur Steigerung der Anzahl Ausbildungsabschlüsse auf Tertiärstufe und zur Förderung der Karrieren in der Langzeitpflege beteiligt. Unter dem Titel "Der wichtigste Job der Schweiz" macht sie die breite Öffentlichkeit über die Vorteile und Möglichkeiten der Berufe (Tertiärstufe) und Karrieren in der Langzeitpflege aufmerksam.

> Link zur Kampagne: www.der-wichtigste-job.ch

Mit welchen Mitteln wird die Situation im Gesundheitsbereich im Auge behalten?

Wie ist es um die Versorgungslage in der Schweiz bestellt?

Im Herbst 2015 erteilten der Vorstand der Schweizerischen Konferenz der kantonalen gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK sowie der Vorstand von OdASanté den Auftrag, die Entwicklungen des Personalbestandes, der Ausbildungstätigkeit und weiterer Massnahmen zu analysieren und dem aktuellen Nachwuchsbedarf gegenüberzustellen. Es resultierte der „Nationale Versorgungsbericht für die nicht-universitären Gesundheitsberufe“. Dieser ermöglichte eine Standortbestimmung für die nicht-universitären Gesundheitsberufe. Die Hauptbotschaft: „Die Ausbildungsabschlüsse in den Gesundheitsberufen konnten in der Schweiz zwischen 2010 und 2014 deutlich gesteigert werden: in den Pflegeberufen um 30 Prozent, in den medizinisch-technisch und medizinisch-therapeutischen Berufen sogar um fast 50 Prozent. Dennoch: Die Abschlüsse in den Gesundheitsberufen decken nur knapp 60 Prozent des jährlichen Nachwuchsbedarfs.“

> Der Bericht ist hier verfügbar: Nationaler Versorgungsbericht für die nicht-universitären Gesundheitsberufe

Welche Folgen hatten die Entwicklungen der vergangenen Jahre für die Berufsbildung?

In den vergangenen Jahren konnte die Zahl der Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungen im Bereich der Pflege weiter gesteigert werden. Waren es 2012 noch ungefähr 7000, fassen 2020 voraussichtlich 11'000 neue, in der Schweiz ausgebildete Gesundheitsfachleute aus den Bereichen Pflege, Therapie und Medizintechnik Fuss in der Arbeitswelt. Damit kommen wir der Branchenvision, möglichst viele Fachkräfte in der Schweiz auszubilden, näher. Wir von OdASanté sind zufrieden, trotzdem gibt es noch Arbeit. Denn das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Man denke etwa an die potenziellen Berufsumsteigerinnen und -umsteiger, also Personen, die von einem anderen Bereich den Sprung in die Pflege machen möchten / könnten. Deshalb sind wir auch an der Kampagne des Bundes www.berufsbildungplus.ch beteiligt.
Wiedereinsteigende gehören ebenso dazu (z.B. Wiedereinsteigende nach Mutterschaftsurlaub).
Ausserdem gilt es, Männer für die Pflegeberufe zu motivieren, machen sie nach wie vor nur 10 Prozent der Gesamtbeschäftigten in der Pflege aus.

Gibt es in der Schweiz auch Fachkräfte aus dem Ausland?

Ja, Fachkräfte aus dem Ausland sind wichtig für die Versorgungssicherheit im Inland. Und: Es wird stark in die Ausbildung im Inland investiert.

Gibt es eine Übersicht über die Anzahl der Personen in Ausbildung (Eintritte / Abschlüsse)?

Ja, auf www.odasante.ch gibt es im Bereich "Medien" eine entsprechende Rubrik.

> Datenquelle: Bundesamt für Statistik: www.bfs.admin.ch

> Ausbildungen im Gesundheitsbereich: Eintritte und Abschlüsse 2016-2018

Wie werden Jugendliche im Berufswahlalter für eine mögliche Karriere im Bereich der Pflege gewonnen?

Es werden schweizweit Berufsmarketingmassnahmen umgesetzt, etwa Einführungs-/Schnuppertage in den Betrieben, Präsenz an Berufsbildungsmessen in der ganzen Schweiz, die Veranstaltung von Berufs-Schweizermeisterschaften für Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit alle zwei Jahre anlässlich der SwissSkills oder die Teilnahme an den WorldSkills Competitions, den Berufs-Weltmeisterschaften.

> Die nächste Ausgabe der SwissSkills: 9.-13. September 2020 in Bern (Bernexpo) www.swiss-skills.ch/swissskills-2020

> Gewinnerin SwissSkills 2016 und WorldSkills 2017 Irina Tuor. Beitrag in der Südostschweiz: Irina Tuor aus Brigels gewinnt an den WorldSkills


Gespräch mit Urs Sieber, Geschäftsführer von OdASanté

"80 Prozent der Lernenden bleiben der Gesundheitsbranche treu"

Bern, 10.01.2020 – In den ersten 15 Jahren ihres Bestehens gelang es der Nationalen Dach-Organisation der Arbeitswelt Gesundheit OdASanté – in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben, Fachverbänden und Behörden – die Ausbildung im Gesundheitsbereich mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Ihre Mission ist aber noch längst nicht abgeschlossen. Der ansteigende Fachkräftebedarf bleibt eines der zentralen Themen. OdASanté-Geschäftsführer Urs Sieber blickt zurück auf die Anfänge von OdASanté und zieht Bilanz zur gegenwärtigen Situation im Gesundheitsbereich.

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Pressebilder

Urs Sieber - Geschäftsführer von OdASanté
(Fotos: Stefan Marthaler)

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Presseartikel

Präsentation

"Eine berufliche Grundbildung im Bereich der Pflege"

> Präsentation vom 16.01.2020